Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; von ihm kommt meine Hilfe.
Psalm 62,2
Wo Gott zeltet, wird alles neu
Manchmal sehnen wir uns nach einem Neuanfang. Nach etwas, das nicht von Krisen, Sorgen und Erschöpfung geprägt ist. Genau in diese Sehnsucht hinein spricht Gott sein Wort: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21, 5) Dieses Versprechen steht nicht für sich allein. Es ist eingebettet in ein kraftvolles Bild: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen.“(Offb 21, 3). Gott zeltet bei uns. Das Wort, das hier verwendet wird, meint tatsächlich ein Zelt – kein Palast, kein festes, unnahbares Gebäude. Ein Zelt ist beweglich, offen, nahbar. Schon im Alten Testament war das Zelt der Begegnung der Ort, an dem Gott seinem Volk nahekam. Damals stand es noch außerhalb des Lagers. Doch hier, in der Offenbarung, geschieht etwas Neues: Gott wohnt mitten unter den Menschen, mitten in der Stadt, mitten im Leben. Wo Gott zeltet, da beginnt Veränderung. Nicht, weil plötzlich alles perfekt wäre, sondern weil Gott selbst da ist. „Siehe, ich mache alles neu“ – das ist ein Wort der Hoffnung. Aber auch ein Wort, das uns hineinruft in einen Prozess. Gottes neues Handeln beginnt nicht erst irgendwann in ferner Zukunft. Es kann jetzt beginnen, mitten unter uns. Dort, wo wir uns auf Gottes Reich einlassen. Dort, wo wir trotz allem Dunklen den Keim des Guten entdecken – und ihm Raum geben. Gott sagt nicht: Ich lösche alles Alte aus. Er sagt: Ich kümmere mich um alles. Um wirklich alles! Um das Schöne und das Zerbrochene. Um das, was wir gern zeigen, und um das, was wir am liebsten verdrängen würden. Gott bleibt nicht auf Abstand, selbst nicht in den schwersten Situationen. In Jesus Christus ist er bis ins Leiden hineingegangen – und lässt uns auch dort nicht allein. Darum ist Gottes Zelt ein Zelt der Begegnung. Ein offener Raum der Hoffnung. Ein Ort, von dem Neues ausgeht.
Die Jahreslosung ist mehr als ein Trostwort – Sie ist eine Einladung! Eine Einladung an uns, mitzumachen an dem Neuen, Hoffnung zu teilen. Räume zu öffnen, in denen Gottes Nähe spürbar wird. In unserer Gemeinde, im Alltag, wo wir Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit leben. Denn wo Gott zeltet, da beginnt das Leben neu.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen viele Zeltbegegnungen mit Gott und seinen reichen Segen!
Ihre Pfarrerin Ronja Gerber