Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; von ihm kommt meine Hilfe.
Psalm 62,2
Liebe Gemeinde,
Erntedank – im Oktober ist es Zeit zu danken. Erntedank ist ein traditionsreiches Fest, Danke sagen für die Ernte, aber auch der Rückblick auf die „persönliche Ernte.“ Es gibt Schönes, mit dem ich mich beschenkt gefühlt habe, und Gutes, das mein Leben reich gemacht hat. Mal sind es ganz kleine Dinge, für andere kaum sichtbar. Mal größeres. Das Erntedankfest erinnert mich zum Glück daran, für das zu danken, was ich im Alltag so oft für vermeintlich „ganz normal“ halte: gute Luft zum Atmen, Nahrung, Kleidung, Wasser. Gleichzeitig spüren wir, dass wir Menschen auch das ernten, was wir gesät haben und uns zur Bewahrung anvertraut wurde. Und da sehen wir die Flecken, die wir zu wenig beackert haben und uns zu wenig bemüht haben: Der Friede in Europa ist uns eingegangen. Der Klimawandel, den wir zu lange klein geredet haben, wächst uns schneller über den Kopf, als wir gehofft hatten. Und dann liegt einem schnell die Frage auf der Zunge: Wie kann Gott das zulassen? Und doch kommt diese Frage wie ein Echo zurück: Wie kannst du das zulassen?
Ich denke, es ist gut, nicht mit Vorwürfen zu beginnen, sondern mit dem Blick auf das, was trägt. Auf das Leben, das uns geschenkt ist, auf die schöpferische Kraft, von der die Bibel erzählt und die wir auch manchmal im eigenen Leben erahnen. Das gibt mir eine Richtung, ein Ziel, wohin es mit dieser Welt gehen soll. Keine Frage: Beim Säen und Beackern bleibt Gott mir immer voraus und dafür will ich ihm danken. Und doch darf ich ihn dann auch hoffentlich bitten: Um die Hilfe, die wir mittelprächtigen Lebensgärtnerinnen und -gärtner auf Erden so dringend brauchen, damit es eine gute Ernte wird. In diesem Sinne viel Freude beim Danken und Staunen wünschen
Ihre Pfarrersleute
Katharina und Thorsten Wolff