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Der Zeit voraus...

Nach den Feiertagen ist vor den Feiertagen. Und vor die Feiertage hat die christliche Tradition die Fastenzeit gesetzt. Komischerweise vor die Festtage und nicht nachher, wo sie vielleicht sinnvoller wären. Das lässt mich schon stutzig werden. War die Kirche damals noch ihrer Zeit voraus?

Eine mittlerweile sehr bekannte und leider manchmal in ihrer Originalität unterschätzte Aktion klärt mich auf. Viele von Ihnen kennen vielleicht die Aktion „7 Wochen ohne“. Menschen verzichten in den sieben Wochen vor Ostern auf Dinge, die in ihrem Alltag wichtig geworden sind: Wein, Süßigkeiten oder ähnliches.

Als Kinder „mussten“ viele von uns in der dieser Zeit den Verzicht unserer Eltern mitmachen bzw. mitertragen. Wir wussten, das hat etwas mit Ostern zu tun, aber es war uns nicht klar, was der Verzicht auf das Fernsehen oder Schokolade bewirken sollte. Warum also Fasten?

Das Fasten in der Zeit vor Ostern hat für die Christen eine lange Tradition. Gebet, Umkehr und Buße waren dazu da, dem Leben der Christen einen Sinn zu geben, besser gesagt: die Menschen auf das zu richten, was ihrem Leben einen Sinn geben kann.

Denn in dieser Zeit der Einkehr ging es darum, sich auf das Fest der Auferstehung Jesu Christi an Ostern vorzubereiten. Das Fest, an dem Gott durch Jesus Christus die natürliche Begrenzung des Todes überwunden hat und uns ein Leben mit ihm, auch über den Tod hinaus, ermöglichen will.

Der Ostersonntag, der am Ende dieser 40tägigen Fastenzeit steht, war früher aber auch der Tag, an dem neue Mitglieder der Gemeinde getauft wurden. Und so war diese Zeit, das Gebet und die Buße, auch eine Vorbereitung auf die Taufe. Für all die Getauften war es eine Zeit der Erinnerung an das, was geschehen ist, als sie auf den Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wurden. Und dadurch, dass sie auf bestimmte Speisen und Getränke verzichteten, wollten sie sich bewusst werden, was das Wesentliche im Leben als Christ ist, das, worauf es ankommt: an Gottes bedingungslose Zusage, sein Ja zum Menschen, das in der Passion Christi und am Ostersonntag offenbar wird. Seine Verheißung für den Menschen da zu sein – in guten wie in schlechten Tagen.

Fastenzeit heißt nicht Diät oder Hungerkur. Es ist ein Angebot, sich in all dem Wirrwarr unseres täglichen Lebens zu besinnen und das große Geschenk Gottes, das er uns in der Taufe gemacht hat, neu zu betrachten. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine gesegnete und besinnliche Fastenzeit.

„Wenn wir echt fasten, werden wir gelöst, werden wir frei. Wir werden neue Augen für das Wunder bekommen, das uns umgibt.“                                                          Phil Bosmans

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