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Wir haben die Zeit!

Gott kommt überraschend. Das mussten eigentlich fast alle Menschen der Bibel erfahren, denen Gott begegnet ist. Bei Adam und Eva ist das ja klar, aber nicht weniger für Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Josua und für so manchen Propheten.

Auch Weihnachten kam überraschend.

Überraschend kam für Maria und Josef die Volkszählung, die der Kaiser Augustus ausrief und in dieser Zeit auf ihrem Weg die Geburt ihres Kindes im Stall von Bethlehem.

Überraschend kam die Botschaft von der Geburt Jesu für die Hirten auf dem Feld. Ohne sich groß vorbereiten zu können, machten sie sich auf zu dem Stall.

Überraschen für Herodes, dem auf einmal bewusst wurde, dass seine Macht bald nichts mehr zählen würde und er nicht dagegen unternehmen konnte.

Die Menschen zur Zeit Jesu hatten keine Zeit, sich auf das Kommen Jesu vorzubereiten.

Deswegen waren sie so enttäuscht, als statt des angekündigten Retters und Messias einfach ein Mensch ihre Wege kreuzte, der ganz anders war, als man sich einen Heiland vorstellte. Dass er eben nicht ein mächtiger König war, der mit Gewalt der Unterdrückung ein Ende machte. Dass er nicht mit dem Schwert die Römer richtete, sondern „nur“ mit Worten und Taten den einzelnen Menschen aufrichtete, ihrem Leben wieder Sinn und Hoffnung gab.

Heute kommt Weihnachten Gott sei Dank nicht mehr so überraschend. Mit Schokoladennikoläuse und Lebkuchen holen sich Menschen – vielleicht gar nicht mal zu Unrecht – schon im September ein Stück Weihnachten ins Haus, vielleicht sogar in ihr Leben.

Wir haben es besser als Maria und Josef, besser als die Hirten auf dem Feld.

Wir haben die Zeit, uns darauf vorzubereiten, dass nicht Gewalt und Schwert seine Waffen sind, mit denen er die Welt veränderte und verändern will, sondern Sanftmütigkeit und Friedfertigkeit. Und dass er eben nicht mit großem TamTam kommt, sondern still und persönlich in die Herzen eines jeden einzelnen einziehen möchte.

Wir haben die Zeit, vier Wochen Zeit, in denen wir Jesus so kennen lernen können, wie er es wollte. Nicht als großer, mächtiger König, sondern als Mensch wie du und ich. Auf Augenhöhe. Nicht herablassend, sondern aufbauend.

Ein Gott, wie ihn der Prophet Jesaja verkündigte: „Er wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen.“ (Jes 42,3)

Eine solch wunderbare Botschaft braucht Zeit, bis sie sich Gehör verschafft und in unseren Herzen Platz hat. Eine Zeit, die Gott uns in den vier Wochen des Advents schenkt. Unabhängig davon, ob am 24.12. die Geschäfte offen haben oder nicht.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine gesegnete Adventszeit.

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